50 Jahre
Sportgemeinschaft Aero
Am 19. Mai 1950 beschloss
eine Gruppe flugbegeisterter junger Männer in Salzgitter-Lebenstedt die Gründung
eines Flugsportvereins. "Sportgemeinschaft AERO Lebenstedt" wählten sie als
Namen. Das war die Stunde Null unserer heutigen "Sportgemeinschaft AERO
Salzgitter Gründungsvorstand: 1. Vorsitzender: Paul Czech, 2. Vorsitzender:
Ernst vorn Weg, Geschäftsführer: Helmuth Spinty. Weitere Namen der ersten Stunde
waren: Hans Bardua, Horst Brückner, Werner Dietlein, Curt Dormann, Heinz Erbe,
Horst Grudzienski, Erich Hahn, Heinz von Halem, Wolfgang Kettner, Herbert
Krüger, Gerhard Lierniann, Fritz Mertens, Erwin Netsch, Wolfgang Otto.
Ein "SG38" war das erste ,selbstgebaute Fluggerät. Am 23. Sept. 1953 wurde damit
auf dem Schäferstuhl der erste Start gemacht. Dieser Schulgleiter hatte nur
einen 'Sitz und deshalb konnte der Fluglehrer nur am Boden entweder vor oder
nach dem Flug auf den Flugschüler einwirken.
Im Herbst 1954 wurde ein Grunaubaby 111 fertiggestellt, ein in Holzbauweise
hergestellter Einsitzer, der schon wesentlich leistungsfähiger war als der
Schulgleiter. Ab Frühjahr 1955 konnte ein eigenes Fluggelände in Betrieb
genommen werden: "Segelfluggelände Gemarkung Lichtenberg". Der aufwendige
Transport des Fluggeräts sowie die zeitaufwendige Fahrerei zwischen
Salzgitter-Lebenstedt und Salzgitter-Bad konnte nun entfallen. Man beschloss
nun, ein modernes doppelsitziges Schulflugzeug anzuschaffen. Eine "Ka2b" wurde
als Rohbau bestellt und bis 1956 fertig gestellt. Dazu musste ein Kredit
aufgenommen werden, an dem noch eine ganze Weile abzuzahlen war.
Als die treibenden Kräfte bei der Werkstattarbeit bildeten sich Horst
Grudzienski und Fritz Mertens heraus. Der neue Doppelsitzer, Kennzeichen D‑6175,
gab den Fluglehrern wesentlich bessere Ausbildungsmöglichkeiten, was sich dann
auch in besseren Ausbildungsergebnissen niederschlug. Um den Bau einer Winde
kümmerte sich in dieser Zeit Herbert Lüddecke mit großzügiger Unterstützung der
Firma ,,Opel Weber“. Eine Flugzeughalle wurde Anfang 1960 in sehr harter
Eigenarbeit erstellt. Dabei tat sich durch sein organisatorisches Geschick
Richard Volock besonders hervor.
Die extremen Anstrengungen, die derartige Aufbauleistungen erfordern,
hinterließen natürlich Spuren. Nicht jedes Mitglied konnte die gewaltigen
zeitlichen Anforderungen so einfach durchstehen. Als Helmuth Spinty 1963 als
Erster Vorsitzender die Führung des Vereins übernahm, war die Zahl der
Mitglieder stark zusammengeschmolzen. Die Anwesenheitsliste dieser
Mitgliederversammlung weist 16 Teilnehmer aus. Aber der harte Kern hielt doch
zusammen. Dank unermüdlicher Werkstattarbeit der Mitglieder in den Wintermonaten
konnte der Flugzeugpark kontinuierlich aufgestockt werden. Dabei gab es von
manchem Sponsor gute Unterstützung. Zu nennen sind hier Firmen wie Linke
-Hoffmann-Busch, Hüttenwerk Salzgitter AG, Auto Held, Autohaus Strube, Autohaus
Jaretzke. Die Sommer bachten herrliche FIugrelerbbnrisse und sogar das
gesellschaftliche Leben wurde gepflegt. Die ersten Hallenfeste wurden mit Musik
und Tanz gefeiert.
Als dann 1971 der große Rückschlag kam, besaß der Verein sieben Segelflugzeuge,
zwei Startwinden sowie eine Flugzeughalle mit Clubheim. All das fiel in einer
einzigen Nacht einem Brand zum Opfer. Und als wäre es noch nicht genug: auch das
Segelfluggelände ging durch Bebauung verloren und die Werkstatt durch Kündigung.
In diese schwierige Zeit fiel ein großer Erfolg der Modellflugsparte: Heinz
Dresler wurde 1972 Sieger der Coppa Europa, der europäischen
Hangflugmeisterschaft in Verona. Auch bis dahin waren die Modellflieger sehr
erfolgreich. Die Qualifikation zur Deutschen Hangflugmeisterschaft war fast Jahr
für Jahr abonniert. Wolfhard Dresler schaffte sogar 1965 den Deutschen
Jugendmeister im Hangflug. Unsere Modellfliege nennen sich heute "Salzgitter
Spatzen'. Heinz Dresler betreut sie seit ihrer Gründung 1960 als Spartenleiter.
Er hat die Gruppe zu vielen Wettbewerben geführt und bis heute manchen Sieg nach
Hause gebracht.
Bei den Segelfliegern galt es nun, ein Fluggelände zu finden, auf dem der Verein
einen neuen Anfing machen konnte. Dank der unermüdlichen Stiche unseres Ersten
Vorsitzenden Helmuth Spinty aber auch dank der großen Hilfsbereitschaft der
Stadt Salzgitter fanden wir 1974 ein geeignetes Gelände. Auch Hans Willenbocke
leistete hier wegen seiner beruflichen Kenntnisse als Mitarbeiter des
Tiefbauamtes einen wesentlichen Beitrag. Schon ein Jahr später, am 5. Juni 1975,
konnten die ersten Starts auf dem "Segelfluggelände Am Salzgittersee" gemacht
und eine neue Segelflugzeughalle in Betrieb genommen werden. Architektonischen
Entwurf und Betreuung leistete Dieter Grundmann. Selbstverständlich war wieder
jedes einzelne Mitglied bis an die Grenzen des Zumutbaren gefordert. Ein
Vereinsheim mit Räumlichkeiten für die theoretische Ausbildung der Flugschüler
folgte 1981. Abgerundet wurde dieser Aufbatiabschnitt 1992 durch den Leiter der
Werkstatt, in dem auch unsere "Salzgitter Spatzen" eine neue Bleibe fanden.
Entwurf und Durchführung stammen von Christian-Peter Hirsch.
Parallel zu den Arbeiten auf dem Segelfluggelände entstanden immer noch unter
der Leitung von Horst Grudzienski vier neue Segelflugzeuge. Auch die notwendigen
Transportanhänger wurden selbst gebaut. Die anfangs von einem Nachbarverein
ausgeliehene Startwinde wurde durch eine selbst gebaute ersetzt. Der heutige
Flugzeugpark besteht aus fünf Segelflugzeugen, darunter zwei Leistungsseglern
aus Glasfaserkunststoff und einem Motorsegler, der unser fliegerisches Angebot
seit Anfang 1984 bereichert. Die Arbeit in der Werkstatt konzentriert sich heute
unter der Leitung von Wolfhard Dresler auf den Neubau einer Startwinde.
Das "Segelfluggelände Am Salzgittersee" hat sich seit seiner Eröffnung vor
nunmehr 25 Jahren im Bewußtsein der Öffentlichkeit und seiner Nachbarn gut
etabliert. Die Tage der offenen Tür sind immer gut besucht und das Publikum
nimmt die Mitflug- und Schaumöglichkeiten stets gut an. Aber auch sportliche
Leistungen kommen nicht zu kurz. Schon drei Jahre nach Platzeröffnung flog
Dieter Grundmann von diesem Platz aus ein 500-km-Dreieck. Und im vergangenen
Jahr waren die Streckenflieger besonders aktiv. Wolfhard Dresler schaffte allein
mit seiner DG 100 mehr als 6.000 km, die Mehrzahl der Flüge allerdings von
seinem Urlaubsflugplatz Klix in der Lausitz aus. Eine weitere nicht alltägliche
Leistung war der Flug unseres Motorseglers im vergangenen Jahr vom Salzgittersee
über Belgien und Frankreich nach England. Die beiden Piloten waren Bernd Meier
und Hatrald Herder. Unser Vereinsausbildungsleiter Frank Huliczka betreut heute
zusammen mit fünf weiteren Fluglehrern 13 Flugschüler, zehn davon sind
jugendliche. Die in diesem Jahr in Betrieb gehende verlängerte
Windenschleppstrecke sowie die Möglichkeit, durch einen Motorsegler
Segelflugzeuge an den Himmel zu ziehen wird sowohl dem Ausbildungsbetrieb als
auch dem Leistungssegelflug neue Impulse geben. Auch einigen umweltfreundlichen
Ultraleichtflugzeugen wollen wir unser Segelfluggelände öffnen.
Abschließend an dieser Stelle einen herzlichen Dank für hervorragende
Zusammenarbeit Lind großzügige Unterstützung an die vielen nicht genannten
Mitglieder, die Verwaltung und die Politiker der Stadt Salzgitter, die
Bezirksregierung Braunschweig, die vielen Sponsoren, die sportlichen Gremien wie
Kreissportbund und den Deutschen AERO Club, und schließlich auch an unsere
verständnisvollen Nachbarn.
Einen ganz besonderen Dank an die Freunde, die den heutigen Tag nicht mehr
miterleben können. Wir werden Eure Verdienste nicht vergessen !
Ernst Günter Knoblauch